Michael Kaminski

Immunität

Weil Michael Kaminski kulturell nicht durch Ritterspiele auf Freilichtbühnen sozialisiert wurde, sondern allenfalls durchs >Käthchen von Heilbronn<, schrieb er selbst ein Mittelalterspektakel. Markus Eynendael, der vor langen Jahren seinen Landesherrn, den tyrannischen Fürstabt, mit der Lanze tödlich durchbohrte, kehrt an den Tatort zurück, um eben dort Asyl zu suchen. Das Ansinnen sorgt für Tumult. Zementierte Gewissheiten wanken. Liebe wirft ihre Strahlen auf den düsteren Fond. Resultat ist durch nichts als den Mutwillen Kaminskis zu entschuldigendes Theater fürs Volk.

Leseprobe

Copyrightvemerk: Alle Rechte beim Autor. Michael Kaminski 2020.

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Portrait of Behrouz Boochani von Hoda Afshar, Lizenz: CC BY-SA 4.0 Modifizierung: linkes Bild gespiegelt
Immunitätspfeiler St. Georgenberg von Wolfgang H. Wögerer, Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE Modifizierung: Schwarz-Weiß Filter

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Dialog zwischen Fürstabt Kinzweiler und dem päpstlichen Gesandten Perault.

III, 5

(Kabinett des Fürstabts.)

Kinzweiler: Dem Staat droht Umsturz. Der Bittsteller ist

einstiger und höchst denkbar auch heutiger Aufrührer. Ich sehe die Büßer- und Eremitenmaske fallen, die fromme Larve deckte die hassverzerrte, blutdurstige, schadenstiftende Fratze. Die Wahl des Ritters heißt Ausreise oder das Leben.

Perault: Neuerlich bitte ich Sie, schenken Sie dem Mann Gehör. Menschenkenner, der Sie sind, urteilen Sie dann nach Ihrem Eindruck.

Kinzweiler: Selbstüberwindung in Eylendorffs Sache überwände Staat und Souverän. Nicht erst durch den Empfang des Bitt-stellers. Die Einladung schon würde im Land sträflich ent-täuschbare Hoffnungen zeugen. Selbstüberwindung in der gegenwärtigen Lage ist Selbstpreisgabe. Den Totschläger seines Fürsten empfangen, duldet halb schon sein Bleiben.

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Die öffentliche Meinung würde die Audienz als Hebel nutzen. Die Menge würde mir den verhängnisvollen Entschluss zu Eylendorffs dauerhaftem Aufenthalt abzwingen.

Perault: Ich erfuhr, die Gräfin Rieneck, von Geburt ein Landeskind, hält mit dem Ritter Freundschaft seit Jugend-tagen.

Kinzweiler: Die Reichsgräfin ist eine eindrucksvolle Frau. Die Unterhaltung mit ihr bringt immer Gewinn. Was Eylendorff angeht, ist sie arglos und gänzlich Partei.

Perault: Niemals würde sie Landesverrat billigen.

Kinzweiler: Denkt Eylendorff auf Hochverrat, schließt sie, ich bin sicher, Augen und Ohren.

Perault: Falls je der Ritter Machenschaften im Sinn hatte, wird sie ihm die ausgeredet haben.

Kinzweiler: Schon ehedem war sie Eylendorffs Vertraute, den Totschlag an seinem Fürsten redete sie ihm nicht aus.

Perault: Zeiten und Umstände waren andere. Der Landesfürst ein anderer. Die Gräfin nicht Kollega im Herrscheramt. Der Ritter vom Leben wenig geprüft.

Kinzweiler: Auf bloße Wahrscheinlichkeit rechnen, ist Leichtsinn, der in Schmach und Schande endet.

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Perault: Mensch sein und erst recht Fürst, fordert alle neuen Tage mit Bedacht und Scharfsinn wagen. Sie dachten und erwogen fleißig, handeln Sie. Richten Sie Zeichen auf.

Kinzweiler: Hasardiere ich den kleinen mir anvertrauten Staat auf ein absehbar halsbrecherisches Unternehmen, so liefern Länder wie Kornelimünster den auf Eroberung und Einverleibung lauernden weltlichen Fürsten saftigen Fraß. Darf der Gesandte des Papstes das ernsthaft riskieren?

Perault: Reden Sie mit der Gräfin. Ziehen Sie danach Ihre Schlüsse.

Kinzweiler: Sie schrieb mir um vertrauliche Unterredung. Die Gräfin empfangen, grenzt an Audienz für Eylendorff. Sie außen vor halten, kränkt eine Würdenträgerin, die zugleich Kind dieses Landes und Herrin aus eigenem Recht ist. Die auf ihrem Staatsgebiet der Reichsabtei Zölle und Abgaben gänz-lich nachlässt. Ich segele zwischen Skylla und Charybdis.

Perault: Sie sagen es. Seien Sie der zwischen Drohungen umsichtig schiffende kluge Steuermann.

Kinzweiler: Ich kann die Gräfin nicht meiden.

Perault: Zweifellos.

Kinzweiler: Ihr Bitten nehme ich freundlich entgegen. Damit ist genug getan.

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Perault: Handeln Sie ernsthafter. Ich bin gut über die Reichsgräfin unterrichtet. Sie ist auf geraden Straßen unterwegs. Tücke zeigte sie nie. Die Freundschaft dieser über die Maßen klugen Herrscherin trägt der Reichsabtei bislang reichen Zins und wird prächtigeren noch tragen.

Kinzweiler: Amte ich meinem Kaiser, indem ich Jülich durch falsch angebrachte Milde gegenüber einem Mann, der seinen Fürsten tötete, den Einfall in mein Land eröffne? Fromme ich der Kirche, in dem ich durch Wankelmut und Schwäche den geistlichen Staat einem weltlichen Herrn opfere?

Perault: Die Gräfin ist Staatsfrau und Landeskind. Heckt Eylendorff tatsächlich der Reichsabtei feindliche Absichten, finden Sie seinethalben eine Bundesgenossin in ihr, die ihn, um seine arme Seele zu retten, am Schandwerk hindert. Ritter und Kornelimünster, beide, hält diese durch und durch ihrer Mittel wie ihres Handelns sichere Frau wert. Die Reichsabtei wie kein anderer ausländischer Fürst.

Kinzweiler: Die Gräfin hören, bindet nicht.

Perault: Sie stellen Vorurteile zurück, ausgezeichnet.

Kinzweiler: Mir fehlt, Legat, Ihre Zuversicht.

Perault: Ich erlebe, was Kaiser und Papst nachsehen oder wovon diese beiden Häupter des Abendlandes sich mit Fleiß unwissend stellen. Scheußlichkeiten, gegen die das Ärger­nis, das Sie, Fürstabt, plagt, leicht wie Federn wiegt.

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Friedewahrung und Sicherung eigenen Standes galt Krone und Heiligem Stuhl vor jedem anderen Ziel.

Kinzweiler: Ich höre die Gräfin. Weiteres gibt sich.

Perault: Herr Fürstabt. (Empfiehlt sich.)

(Kinzweiler steht eine Weile allein.)

IV, 1

(Einsiedelei im Klauser Wald.)

Katharina: Fast habe ich Spaß an der Sache. Ach was, ich habe Spaß.

Veit: Mut, alle Schurken in der Welt naszuführen, brauchte man. Den Leuten, die in ehrlicher Haut stecken, ginge es stracks besser.

Katharina: Benehmen wir uns verdächtig genug?

Veit: Sehr verdächtig.

Katharina: (Enttäuscht.) >Sehr< verdächtig?

Veit: Äußerst verdächtig.

Katharina: Dann bin ich zufrieden.

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Veit: Sie stellen hohe Ansprüche.

Katharina: Hohe nur?

Veit: Die höchsten.

Katharina: Siehst du, es geht. Veit Schlaukopf lernt rasch.

Veit: Denke ich an den Ritter, duckt mein Witz unter den Ernst der Lage.

Katharina: Den besten Gefallen tun wir Eylendorff, indem wir ihn heute Abend nur wenig kennen. Sonst stiebt die Laune in trübe Lüfte. Nichts schlimmer, als die Lauerer draußen zu langweilen.

Veit: Also bieten wir ihnen was.

Katharina: Klopfen auf den Busch.

Veit: Nicht übertreiben. Sonst merken sie den Betrug. Der Spieß dreht sich dann um.

Katharina: Reichsgräfin Rieneck bin ich, du bist Ritter Eylendorff.

Veit: Ihr Kostüm sitzt angegossen. Kluge Schliche modeln die Figur. Im Gesicht leistet Schminke gute Dienste. Die Haltung

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ist wie vom Adel. Ich bitte um Nachsicht, Sie sind schließ-lich vom Adel.

Katharina: Du machst dich auch nicht schlecht. Das Pilger-kostüm trägst du mit so viel Würde, dass der Ritter, der darin stecken soll, nicht unter das grobe Tuch schwindet.

Veit: Sind jetzt Knecht und zeitweiliger Narr andere Wörter für Ritter und Adel?

Katharina: Mensch gilt vor Stand. Knechte und Narren stecken im Adelsgewand. Adel steckt in Knechten und Narren.

Veit: Ist denn so etwas erlaubt? Hat Gott es denn nicht anders festgelegt? Schmeißt das nicht die ganze schöne Ordnung über den Haufen?

Katharina: Welchem Stand gehörte Adam an? Welchem Eva? Herr und Knecht waren sie in einem und gleichzeitig. Menschen waren sie und damit nach Gottes Willen Hüter aller Schöp-fung. Gibt es auf Erden einen höheren Rang als den, Gottes Landpfleger zu sein?

Veit: Der Sündenfall kam. Mit ihm Scham und Schande. Der Mensch sah auf seine Nacktheit. Fortan taten ihm Feigen-blätter not. Bald brauchte es Waffen, Samt und Pelz. Kain schlug den Abel tot. Drachengleich krochen die Stände aus Mord, Herrschsucht und Eitelkeit hervor.

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Katharina: Sündenfall, Mord, Machtlüsternheit und Hoffart höhnen Gottes gute Meinung über sein liebstes Geschöpf. Die Stände schuf der Mensch in seiner Schlechtigkeit sich selbst.

Veit: So sprechen Sie, ein Fräulein vom Adel?

Katharina: Kann sein, ich rede loses Zeug. Jung, wie ich bin. Aus jugendlichem Trotz. Es kostet mich nichts als höchstens Kopfschütteln oder einiges Schelten durch Eltern, Verwandtschaft und den Hauskaplan. Gut möglich, ich wettere nur gegen den Strich, der die Stände scheidet, weil ich wider die Alten streite. Denn um die Wahrheit zu sagen, ich liebe beheizte Räume, schön illuminierte Handschriften, elegante Kleider, Schmuck und allerhand sonstigen Luxuskram. Älter geworden und unter lastenden Pflichten werde ich, fürchte ich, fassen lernen, wie sinnig die Welt doch eingerichtet ist.

Veit: Nehmen Sie aus Ihrer Jugend in das Erwachsenendasein, was reicht, um Ihnen die Einsicht zu erhalten, wie selten das immer zweifelhafte, aber desto stolzer posaunte Vorrecht mit der Gerechtigkeit zusammenhängt.

Katharina: Die Schergen, die uns aus Büschen und hinter Bäumen aufs Maul starren, vermuten Gräfin und Ritter sicher in äußerst ernsthaftem und höchst heimlichem Gespräch. Wirklich stecken Veit und Katharina ja auch mittendrin.

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Veit: Schön, dass Sie nicht alles, wovon wir sprachen, im launigen Handstreich fortscherzen.

Katharina: Deine Menschlichkeit, Veit, hindert mich. Aber ich warne, mein Wort schwer zu wägen. Oft sind meine Gedan-ken leichtfertig. Meinem Schwatzen lässt sich wenig trauen. Weltverbesserung, dazu tauge ich nicht.

Veit: Bleiben Sie nur sich selbst treu und ich bin beruhigt.

Katharina: Dann, lieber Veit, wollen wir aus unseren Beob-achtern machen, wofür sie dich hielten, Narren.

Veit: Das Lachen müssen wir aufsparen. Drinnen lachen weckt draußen Misstrauen.

Katharina: Desto heftiger schütteln wir uns nach voll-brachter Tat.

Veit: Mit Gräfin samt Ritter.

Katharina: Sollen die Verschwörer auf uns lauern. Ver-schwörer wittern allerorten Verschwörung. Sie werden am eigenen Argwöhnen scheitern.

Veit: Augenblicke sind, da wünsche ich mein Selbst in den Narren zurück. Um unter den sauberen Herren einherzuspringen und Wirrnis zu stiften.

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Katharina: Das Narrsein sichert einzig, wo ein Rest von Barmherzigkeit überdauert hat. Nicht vor Leuten vom Schlag Kaltenbergs. Die prügeln dich einfach tot. Du erfuhrst deine Kostprobe am eigenen Leib.

Veit: Gut, dass Sie mich daran erinnern.

Katharina: Wie können diese Kanaillen nur glauben, Eylendorff ließe sich auf sie ein?

Veit: Weil Kaltenberg und Konsorten nur sich selbst kennen, wähnen sie Aufrichtigkeit als Maske, die schlimme Ziele tüncht. Nur deshalb liegt ihnen an Eylendorff, weil sie in ihm einen Betrüger von Rang sehen.

Katharina: Bald ist Nacht. Ich schlief weit in den Morgen. Bis kurz vor die Messe. Das diplomiert mich heute zur Eule. Ich bilde mir ein, die Lungerer im Unterholz müssen die Augen in wenig Stunden mit Hölzchen aufsperren. Ihr Geschäft wirft nicht den ärmlichsten Zins. Wenn ich, ist die Nachtwache vollbracht, – am hellichten Tag – mich bette, wird das Pack meinen Traum mit Rüpeltänzen bevölkern. Mitten im Schlaf klopfe ich dann meine Schenkel.

Veit: Wach bleiben müssen wir jedenfalls, damit die Gräfin und mein Herr nicht in schiefes Licht rücken.

Katharina: Armer Veit, sind die Sachen erst einmal im Lot, stifte ich dir ein dickes Federbett. Ich hoffe, die Tante kreditiert mich.

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Veit: Nicht von Betten sprechen, Katharina. Das bringt Müdigkeit.

Katharina: Wer denkt an Faulbett und Müdigkeit, spult nur der flugs die Stunden fortplaudernde Veit seine Schnurren herunter. Du wirst von Eylendorff erzählen.

Veit: Jahre war ich einsam. Da staut sich der Redefluss, auch wenn der Wasserfall aus Narreteien tüchtig rauschen mochte. Das Narrsein strengt an. Und niemand war, dem ich traute. In der langen Zeit des Wartens wurde ich ein Nachtgespenst.

Katharina: Ich schäme mich in deiner Gegenwart. – Du bist ein guter Mensch.

(Es pocht an die Tür.)

Veit: Verwünscht.

Katharina: Frechheit, steh mir bei.

Kaltenberg: (Von draußen.) Aufgemacht.

Veit: Der wittert leichte Beute.

Katharina: Der Schweißhund stellt sein Wild.

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Kaltenberg: Ich bringe Unzucht und Schande vor den Landes-herrn. Ich schreie Buhlschaft aus in Straßen und Gassen. Auf dem Markt. In Häusern und Buden. Der fromme Pilger im Liebesnest. Samt lustiger Witwe. – Aufgemacht! Ich schone dann eure Kragen. Euer Dreck soll mir nicht an den Händen kleben. Wer wollte an eurem Kot ersticken?

Veit: Öffnen wir?

Katharina: Der denkt heute ans Schreien, nicht ans Schlagen. Der braucht uns wozu.

Kaltenberg: Ihr zaudert? Ihr beratet? Bei meiner Wut, nur ein Rat ist richtig. Sperrt auf!

Veit: (Laut.) Ja doch. (Zu Katharina.) Klettern Sie ins Versteck.

Katharina: Soll er wagen, mir zu nahe zu treten. Mich schützt mein Stand. Du bist in größerer Gefahr. Ich öffne.

Kaltenberg: Findet ihr den Schlüssel nicht? Wir hauen die schlüpfrige Pforte zu Bruch!

Katharina: (Geht zur Tür. Sperrt auf. Wie sie im Eingang steht, ist sie deutlich über sich hinausgewachsen. Kaltenberg tritt einen Schritt zurück.) Sie stören, Ritter. Ziehen Sie Ihre finstere Gestalt von hier zurück. Sie sind beurlaubt.

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Kaltenberg: (Verdutzt und von der Erscheinung Katharinas sichtlich beeindruckt.) Sehen Sie mir die Heftigkeit nach. Die drängendste Not gebietet mein Erscheinen.

Katharina: Nehmen Sie zur Kenntnis: Der Ritter ist an seinem Ort, die Tante an dem ihren. Was haben Sie mitzuteilen?

Kaltenberg: Ich bitte um die Gefälligkeit, eine Botschaft auszurichten.

Katharina: Kaltenberg hat Nachricht für Menschen, die auf Freundschaft, Ehrlichkeit, Nächstenliebe zählen? Der führt großes Wort, der Milde, Mut und aufrechtes Wesen mit Fäusten schlägt? Mit Füßen stampft. Ich bin nicht einer Ihrer Schergen.

Kaltenberg: Erst die Meldung hören, dann zürnen.

Katharina: Mein Urteil über einen Mann, der nicht zögerte, eine tapferen Dulder wie den guten Veit zu prügeln, steht fest.

Kaltenberg: Junge Frauen von Stand und Bildung zieren solche Empfindungen. Menschen, die das harte entbehrungsreiche Leben zeichnet, wissen, welchen Schaden Arglosigkeit an-richtet. Doch verlieren wir keine Zeit mit Lektionen. Zum Geschäft.

Katharina: Wahrhaftig, Sie stehlen mir jeden Augenblick, den Sie hier spiegelfechten.

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Kaltenberg: Kürzen wir das Rendezvous durch klare Botschaft ab.

Katharina: Meine Duldsamkeit ging zur Neige.

Kaltenberg: Richten Sie Gräfin und Ritter aus, seine Sache steht schlecht. Der Landesherr will Eylendorffs dauerhaften Aufenthalt um jeden Preis unterbinden. Mindestens den leben-digen Leibes. Sagen Sie dem Ritter, er darf in jedem Fall auf uns bauen. Auf uns und einen mächtigen Schutzherrn.

Katharina: Toren kaufen Ihnen die List ab.

Kaltenberg: Der Landesherr wird die Gräfin einzig auf Forderung des päpstlichen Legaten hören.

Katharina: Sie glauben der eigenen Lüge?

Kaltenberg: Der Fürstabt wird im Weigern höchstes Bedauern heucheln. Die Drohung für Eylendorff wuchert. Seine Lebens-zeit rinnt aus.

Katharina: Sind Sie fertig?

Kaltenberg: Der Ritter spricht e i n Wort und wendet das Blatt zu seinen Gunsten. (Ab.)

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Katharina: (Bleibt noch eine Weile in achtunggebietender Haltung. Erstarrt. Veit führt sie an einen Stuhl. Sperrt ab.) Der Mann ist ein Gespenst. Mich friert.

Veit: Sie kennen den geheimen Gang zu Flucht und Versteck.

Katharina: Durch den du jetzt forteilen wirst.

Veit: An Ihrer Seite.

Katharina: (Setzt sich.) Ich hocke am Fenster. Ob wir dem Scheusal zu Diensten sind, muss den Spionen da draußen etliche Stunde zweifelhaft sein.

Veit: Wie rechtfertige ich meine Flucht der Reichsgräfin? Wie dem Tadel Eylendorffs?

Katharina: Sieh nach den übrigen Fensterläden und Riegeln. Sperr den Kamin. Auf dann zu Eylendorff.

Veit: Wo Sie Willen haben, ist Ihr Schädel stahlhart.

Katharina: Ab und an reut mich das, im Augenblick bin ich meiner Panzerstirn dankbar.

Veit: Ich sehe nach Türen, Fenstern und Kamin. Ich gehe dann. – Ungern.

Katharina: Nicht Zeit schinden, Veit. Trau mir was zu. Dann doppelst du meine Kräfte.

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Veit: Bei der winzigsten Unregelmäßigkeit, bei der flüch-tigsten Empfindung einer Drohung, wissen Sie wohin. Sie werden keinen Augenblick zögern?

Katharina: Keinen Augenblick. (Gibt ihm die Hand.) Jetzt

rasch, Veit. (Veit ab. Katharina sitzt am Fenster.)

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