Stücke

Ernst von Bandel mit dem Kopf des Hermanndenkmals.

Hermann

Cheruskerfürst und römischer Adliger, Hermann ist Virtuose zweier Kulturen. Die Römer östlich des Rheins sind seinem politischem Ehrgeiz im Weg, nicht aber deren zivilisatorische Errungenschaften. Schon das erweist den Germanendünkel Ernst von Bandels und des von ihm geschaffenen Hermannsdenkmals im Teutoburger Wald als kolossalen Irrtum, meint nicht allein Karl Marx. Final wird Hermanns Frau Thusnelda im römischen Triumphzug mitgeführt, während ihr Vater Segestes – zudem Erzrivale der Titelfigur – von der kaiserlichen Ehrenloge aus zuschaut.

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Herr Fritz

Die Titelfigur erfreut sich eines Wiedergängers jenseits der Bühne. Nach einzigartiger Karriere als Konzertmeister eines symphonischen Orchesters und anschließend Schulhausmeister im sozialen Brennpunkt steht Klaus Fritz inzwischen kurz vor dem hochverdienten Ruhestand. Die Fährnisse des Künstlers und Facility-Managers singen das Hohe Lied flexibler Werktätigkeit. Und zertrümmern ihr Denkmal.

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Uta im Naumburger Dom

Uta

Dank kunsthistorischer Forschung verliert Uta von Ballenstedt im UNESCO-Welterbe Naumburger Dom zunehmend ihre Identität als Inbild der deutschen Frau und ihrer Gemütstiefe. Fester und fester verbindet sich der Name nun mit jenem fröhlich schäkernden Weibsbild, das den Platz gegenüber jenem hyperprominenten Bildwerk einnimmt und lange als polnische Prinzessin Reglindis galt. Wie immer dem sei, die Situation zeigt sich nun offen für die unbefangene Annäherung ans Sujet. Zeit daher für ein Theaterstück.

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Orpheus und Eurydike

Orpheus.Eurydike

Michael Kaminski zeigte sich vom Stoff selbst im burlesken Gewand als Mythentravestie enttäuscht. Der Mangel führte zur Krise. Gegen Kaminskis erklärten Willen verwandelte sich die Götter- und Kunstklamotte in Ernst zurück. Freilich hielt dann und wann – oder beständig – Gott Momos seine Finger im Spiel.

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Behrouz Boochani by Hoda Afsha

Immunität

Weil Michael Kaminski kulturell nicht durch Ritterspiele auf Freilichtbühnen sozialisiert wurde, sondern allenfalls durchs >Käthchen von Heilbronn<, schrieb er selbst ein Mittelalterspektakel. Markus Eynendael, der vor langen Jahren seinen Landesherrn, den tyrannischen Fürstabt, mit der Lanze tödlich durchbohrte, kehrt an den Tatort zurück, um eben dort Asyl zu suchen. Das Ansinnen sorgt für Tumult. Zementierte Gewissheiten wanken. Liebe wirft ihre Strahlen auf den düsteren Fond. Resultat ist durch nichts als den Mutwillen Kaminskis zu entschuldigendes Theater fürs Volk.

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Michael Kaminski

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