Brandreden aus der hessischen Landeshauptstadt

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Hessisches Staatstheater Wiesbaden
Hessisches Staatstheater Wiesbaden, martinkaufhold.de,
Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

Staatstheaterintendant Uwe Eric Laufenberg donnerwettert wider die Hygienediktatur

Vor kurzem las ich in >Volltext<, der in Wien erscheinenden Literaturzeitschrift, ein Interview mit Esther Kinsky (Ausgabe 01/20). Die Schriftstellerin und Übersetzerin wurde darin zu den Kriterien befragt, die jungen Leuten erlauben, eine mögliche Berufung zum Autorendasein zu verifizieren. Zudem gab Kinsky Ratschläge für angehende SchriftstellerInnen. Weder die Indikatoren hinsichtlich der Berufung noch die Ratschläge mochte ich gänzlich teilen. Manchem widerspreche ich massiv. Dennoch empfehle ich den Text allen angehenden AutorInnen.

Kaum anders geht es mir mit Uwe Eric Laufenbergs sieben >Solo-Diskursen<. Der Hausherr des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden schreit darin seine und die Not seiner von ihm in den letzten Jahren künstlerisch unter anderem durch Mozart- und Wagnerproduktionen profilierten Bühne förmlich heraus. Das Wiesbadener Staatstheater ist nicht allein wie so viele andere Institute durch den Ausfall von Premieren und Repertoirevorstellungen schwer gebeutelt. Auch die Internationalen Maifestspiele mussten abgesagt werden. Zwar geht es noch schlimmer, etwa wenn ich an die Strasbourger Opéra national du Rhin denke, die Ende 2018 mit einem islamistischen Terroranschlag konfrontiert war, vor einem Jahr mit dem Tod ihrer unentwegt innovativen Intendantin Eva Kleinitz und wegen der Covid-19-Situation das diesjährige Arsmondo-Festival samt der dafür geplanten Uraufführung zu canceln gezwungen war. Womit aber Laufenberg für sich einnimmt, ist das Existentielle seines Anliegens und seines Furors, die in manchem Augenblick ans Rechten Ijobs mit seinem Schöpfer erinnern. Dass Laufenberg die Freiheit dem Leben voranstellt, dass er – letztlich –  den Tod in Kauf nehmen würde,  um der Unfreiheit zu entrinnen, gebietet ihm die Natur seiner Berufung zur Kunst. Ganz im Begriff Schillers ist für ihn der Mensch nur dort einer, >wo er spielt<. Ob Laufenberg aber mit der Entgegensetzung von Freiheit und Leben angesichts der grauenhaften Geschehnisse in Spanien, Italien und dem von Wiesbaden für einen Wochenendausflug bequem erreichbaren Elsass nicht mindestens partiell einem Scheinwiderspruch aufsitzt, darüber muss gestritten werden. Das sage ich als jemand, der mit den Hufen scharrt, um endlich wieder aus der Scala, dem La Monnaie, aus Strasbourg und eben auch Wiesbaden zu berichten. Was Laufenbergs Bekennerhaltung final beglaubigt, ist die Tat. Die Erweiterung seiner Patientenverfügung, in der er nun für den Fall einer Covid-19-Erkrankung die Intubation untersagt. Dass seine Philippika ambivalenter herüberkommt, als er vielleicht denkt, spricht eher für ihn. Oft höre ich Posa heraus, manches Mal freilich Bruscon.  So wächst denn aus Schiller und Thomas Bernhard eine Dialektik, die sich hören  lassen kann.

P.S. Der Wiesbadener Intendant geht ab dem vierten Mai mit dem Probenbeginn für eine Beckett-Trilogie aus >Glückliche Tage<, >Warten auf Godot< und >Endspiel< ans Werk. Rolf und Marianne Glittenberg besorgen die Ausstattung. Gespielt werden soll vor nach Vorschrift ausgedünntem Auditorium. Notfalls wird die Produktion online übertragen oder auf eine Wand des Wiesbadener Staatstheaters projiziert.

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